Bei Dünnglas-ISO wird die übliche Mittelscheibe durch ein Dünnglas ersetzt. Je nach System kommen Gläser mit Dicken von 0,5 bis 2 mm zum Einsatz. Das Ergebnis sind 3-fach-Isoliergläser, die sich hinsichtlich Gewicht und Gesamtaufbau klassischen 2-fach-Isoliergläsern annähern, gleichzeitig aber die Wärmedämmung einer 3-fach-Verglasung bieten.
Ein Beispiel ist Sanco Light. Diese ISO-Einheit nutzt eine 0,5 oder 2 mm dünne Mittelscheibe und ermöglicht damit eine deutliche Gewichtsreduzierung. Abhängig vom Glasaufbau lassen sich gegenüber Standard-3-fach-Isolierglas zwischen 17 und 47 % Gewicht einsparen, so die Entwickler. Gleiches gilt für Silverstar Light von Glas Trösch mit gleichen Aufbauten.
Gleichzeitig sind Ug-Werte bis 0,5 W/(m²K) möglich. Der geringere Materialeinsatz wirkt sich zudem auf die Umweltbilanz aus.
Nach Herstellerangaben lassen sich die CO₂-Emissionen gegenüber herkömmlichen Konstruktionen um bis zu 20 % reduzieren.
Die Vorteile beschränken sich nicht auf die energetischen Eigenschaften. Durch das niedrigere Gewicht werden Fensterbeschläge und Rahmen weniger belastet bzw. ermöglichen ggf. auch geringer dimensionierte Beschläge. Zudem werden Transport, Handling und Montage erleichtert.
Die passende Fertigungstechnik ist entscheidend
Zur Fertigung von dünnen 3-fach-Isoliergläsern werden auch die zugehörigen Produktionsprozesse benötigt. Der Zuschnitt, das Handling und die Verarbeitung der ultradünnen Mittelscheiben sind anspruchsvoller als bei Standardgläsern und erfordern teilweise auch spezielle Anlagen.
Der italienische Maschinenbauer Forel hat hier in Kooperation mit Quanex Edgetech seine Anlagentechnik angepasst, so dass sich ISO-Einheiten mit Dünngläsern ab 1 mm Dicke mit den flexiblen Warme-Kante-Abstandhaltern der Super Spacer Reihe fertigen lassen.
Diese Isolierglas-Aufbauten werden Skinny Triples genannt. Ein Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass bestehende automatisierte High-Speed-Isolierglaslinien von Forel nach einem Upgrade genutzt werden können. Für Glasverarbeiter soll dies den Einstieg in die Dünnglasfertigung erleichtern, da keine umfangreichen Neuinvestitionen erforderlich sind.
Einen anderen Ansatz verfolgt Glaston mit seiner Ultra TPS-Technologie. Die speziell entwickelte Isolierglaslinie ermöglicht die automatische Fertigung von 3-fach-ISO mit bis zu 0,5 mm dünnen Mittelscheiben.
Entscheidend ist dabei die Positionierung der dünnen Scheibe. Diese wird gegenüber den Außenscheiben leicht zurückgesetzt und vollständig in den Randverbund beziehungsweise die Sekundärversiegelung eingebettet. Dadurch lassen sich mechanische Belastungen auf die empfindlichen Glaskanten reduzieren.
Diese Fertigungstechnologie erlaubt die Produktion von Dünnglas-ISO sowie auch die Herstellung konventioneller Isolierglaseinheiten. Selbst ein Mischbetrieb ist möglich. Zudem lässt sich die Anlage für die Fertigung von schlanken 4-fach-Isoliergläsern einsetzen.
Eine wichtige Rolle bei der Produktion von Dünnglas-ISO spielt der Randverbund. H.B. Fuller | Kömmerling bietet mit Ködispace 4SG ein reaktives thermoplastisches Randverbundsystem, das sich für ISO-Aufbauten mit ultradünner Mittelscheibe eignet. Der Ködispace 4SG Abstandhalter wird direkt auf das Glas appliziert und verbindet sich chemisch mit der Glasoberfläche sowie dem Sekundärdichtstoff.
Vom Dünnglaszuschnitt bis zur fertigen Isolierglaseinheit
Neben der eigentlichen Isolierglasfertigung erfordert ultradünnes Dünnglas auch angepasste Prozesse im Zuschnitt und beim innerbetrieblichen Transport. Hegla hat hierfür die Schneidanlage Galactic TG entwickelt. Sie ist auf die Bearbeitung dünner Gläser im Dickenbereich von 0,5 bis 2 mm ausgelegt.
Anstelle eines herkömmlichen Transporttisches mit Filzauflage kommt ein durchgängiges Transportband zum Einsatz. Dadurch werden die empfindlichen Scheiben während der Bearbeitung flächig unterstützt. Ein spezieller Schneidkopf sorgt für einen präzisen Zuschnitt und eine möglichst homogene Schnittkante.
Auch beim Weitertransport setzt Hegla auf Automatisierung. Die geschnittenen Dünngläser können über spezielle Gestelle und automatisierte Beschickungssysteme zur Isolierglaslinie transportiert werden. Lösungen wie das Sortiersystem SortJet unterstützen einen geordneten Materialfluss.
So wird Dünnglas-ISO in UK gefertigt
Wie eine solche Fertigung in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus Großbritannien. Der britische Isolierglashersteller Regency Glass hat in neue Fertigungstechnologien von Glaston und Hegla investiert und bietet mit Regency Triple inzwischen ein schlankes 3-fach-Isolierglas an. Die Mittelscheibe besteht aus dem nur 0,5 mm dünnen Corning Enlighten Glass des US-amerikanischen Glasherstellers Corning. Das dünne 3-fach-Isolierglas lässt sich mit einer Gesamtstärke von 28 mm fertigen. Damit passt es in viele vorhandene Fensterkonstruktionen, die ursprünglich für 2-fach-ISO vorgesehen waren. Nach Angaben des britischen Herstellers ist Regency Triple gegenüber Standard 3-fach-Isolierglas bis zu 30 % leichter. Zugleich liegt das Gewicht nur geringfügig über dem konventioneller 2-fach-Isoliergläser.
Die Produktionsausstattung umfasst u. a. Ultra TPS-Linien von Glaston sowie die Dünnglas-Schneidanlagen Galactic TG und SortJet-Systeme von Hegla. Das Beispiel zeigt, dass die industrielle Fertigung von Dünnglas-ISO bereits in die praktische Anwendung übergeht.
Neue Möglichkeiten für die energetische Sanierung
Besonders interessant dürfte Dünnglas-ISO für die Modernisierung bestehender Gebäude sein. Während der Austausch alter Fenster häufig mit erheblichem Material- und Montageaufwand verbunden ist, kann der reine Glastausch eine wirtschaftliche Alternative darstellen. Mit schlanken 3-fach-Isoliergläsern lassen sich bestehende 2-fach-Gläser ersetzen. Voraussetzung ist, dass die vorhandenen Fensterrahmen technisch geeignet und ausreichend tragfähig sind. Durch den reinen Glastausch lassen sich Montagezeiten und der Aufwand auf der Baustelle insgesamt deutlich verringern, ebenso fallen i.d.R. Nebenarbeiten, wie Beiputzen und Streichen, weg. Gleichzeitig verbessert sich die Wärmedämmung der vorhandenen Fenster.
Auch für den Neubau eröffnen sich Einsatzmöglichkeiten. Leichtere Isolierglaseinheiten erlauben schlankere Rahmenkonstruktionen und können die Belastung von Beschlägen sowie beweglichen Bauteilen reduzieren.
Dazu kommt, dass durch den Einsatz von weniger Glas der CO2 Footprint einer Scheibe und damit eines Fensters verbessert. Ebenfalls lassen sich durch schlankere Aufbauten / Konstruktionen mehr Gläser / Fenster auf eine Palette bzw. einen Transporter laden, was sich ebenfalls positiv auf den CO2 Footprint auswirkt.
Für Glasverarbeiter stellt sich damit zunehmend die Frage, welche Fertigungstechnologien sich für die Herstellung der neuen Produkte eignen und wie bestehende Anlagen entsprechend angepasst werden können.
Wie sich Dünnglas-ISO langfristig als feste Größe neben konventionellen 3-fach-Isoliergläsern etabliert, dürfte neben den technischen Eigenschaften vor allem von den Produktionskosten und der Verfügbarkeit entsprechender Produkte abhängen. Klar ist: Mit schlanken, leichteren 3-fach-Aufbauten eröffnen sich neue Möglichkeiten für die energetische Sanierung.
Foto: Corning Incorporation
Foto: Edgetech
Foto: Glaston
Foto: Hegla
Dünnglas-ISO in der Praxis
Anbieter von Dünnglas-Isoliergläsern
Glas Trösch – Silverstar Light
Sanco – Sanco Light
Silverstar Light und Sanco Light Gläser sind in Formaten bis 150 × 220 cm erhältlich und eignen sich für Neubauten sowie energetische Sanierungen.
Regency Glass (UK) – Regency Triple
Abstandhalter / Warme Kante
Quanex Edgetech – Super Spacer
H.B. Fuller | Kömmerling – Ködispace 4SG
Isolierglas-Linien für Skinny Triples / Dünnglas-ISO
Forel – High-Speed-Isolierglaslinie mit Upgrade
Glaston – Ultra TPS Isolierglaslinie
Zuschnitt für Dünnglas ab 0,5 mm
Hegla – Galactic TG und SortJet
Ultradünne 0,5 mm Mittelscheibe
Corning – Corning Enlighten Glass, ein Boro-Aluminosilikatglas (0,5 mm dick)