Die Zahlen sprechen für sich: 200 Teilnehmer folgten der Einladung der Ammon Gruppe nach Rieden – so viele wie nie zuvor. Geschäftsführer Konrad Fritz führte durch einen Tag, der die beeindruckende Entwicklung des Nürnberger Unternehmens widerspiegelte: 700 Mitarbeiter, 230 Millionen Euro Gesamtvolumen.
Doch hinter diesen Zahlen steht eine bewegende Geschichte: Als am 2. April 2025 die VBH-Insolvenz bekannt wurde, begann ein „wilder Ritt durch das Jahr", wie es Dieter Ammon beschrieb. Binnen weniger Monate wuchs die Ammon Gruppe um 30 Prozent. „50 Familien konnten wir auffangen, die jetzt eine neue Heimat haben. Darauf bin ich stolz", betonte Dieter Ammon sichtlich bewegt.
Geschäftsführer Klaus Ammon schilderte die dramatischen Wochen: „Lastwagen bringen uns Ware, Ware, Ware. Wir wussten nicht, wo wir das alles hinräumen sollten." Hinter der lockeren Erzählung stand eine beeindruckende Leistung: Integration von 50 ehemaligen VBH-Mitarbeitern plus 20 bis 25 weiteren Logistik-Kräften.
Die aktuellen Unternehmenszahlen: 28 Standorte, 8 Partnerfirmen, 13 Lagerstandorte. Täglich 1,5 Millionen Anrufe, 5.000 Pakete, 55 LKW unterwegs. 600.000 bestellbare Artikel auf 340.000 Quadratmetern.
VFF-Präsident Meeth: Schonungslose Branchenanalyse
Daniel Mund / GW
VFF-Präsident Helmut Meeth sprach in seinem VFF-Grußwport ungewöhnlich deutliche Worte: „Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran beeinträchtigen und verteuern unsere Energieversorgung erheblich." Bei den Materialpreisen zeichnete er ein düsteres Bild: „Eine Absenkung der Preise ist nicht zu erwarten."
Seine Einschätzung zur deutschen Regierungspolitik fiel ernüchternd aus: Die Hoffnungen auf Infrastrukturprogramme hätten sich „deutlich eingetrübt". Dennoch rief er zu gemeinsamem Handeln auf: „Jetzt kommt es darauf an, dieses Pflänzchen neuer Zuversicht nicht durch politische Unsicherheiten zu beschädigen."
3E Datentechnik: So klappt es mit der Digitalisierung
Moritz Ebert von 3E Datentechnik klärte schonungslos über IT-Projekte auf: Nur 0,5 Prozent aller großen IT-Projekte laufen wie geplant. „Das bedeutet, von 200 Large-Scale-IT-Projekten läuft genau eines so, wie es soll."
Seine provokante These: „Die meisten Unternehmen sind nicht gut organisiert, sie sind gut gerettet." Seine zentrale Botschaft: „Digitalisierung ist kein IT-Thema", sondern ein Menschen-Thema. Erfolgreiche IT-Projekte bräuchten eine gute Arbeitsumgebung, ein kompetentes Team und einen „Sponsor" als Rückhalt.
Niehues: LinkedIn als Gamechanger
Daniel Mund / GW
Personalberaterin Fabiénne Niehues zeigte ihre Erfolgsgeschichte: Von der Kaltakquise zu einem „100% Inbound-Kanal" durch LinkedIn. Ihre Analyse überraschte: Über 12.400 potenzielle Kontakte mit „Geschäftsführer Fensterbau" in der DACH-Region.
Besonders im Recruiting sieht sie auf LinkedIn Potenzial: 72 Prozent der Monteure seien „passiv offen für Jobangebote". Statt Stellenanzeigen empfahl sie „Active Sourcing": Erst Sichtbarkeit schaffen, dann gezielt ansprechen.
Weitere Vorträge
- Anja Oser (Parla GmbH) sprach über „Flexibles Führen" in unsicheren Zeiten. Führung erfordere Improvisation, ohne strategische Ziele zu verlieren.
- Florian Arndt begeisterte als „KI-Papst" mit „20 KIs, die deinen Beruf revolutionieren". Von automatisierter Aufmaßerstellung bis vorausschauender Wartung – wichtig sei, KI als unterstützendes Werkzeug zu verstehen.
Partnerschaft als Zukunftsmodell
„Die Zukunft heißt Ökosysteme", fasste Konrad Fritz zusammen. „Gerade wenn Fachkräfte weniger werden, kommt es auf verlässliche Partnerschaften an." Die Ausstellung mit 3E, Gutmann Aluminium, Winkhaus, Hoppe, Tremco-Illbruck, SFS und der Aufmaß-App der Brüder Weber unterstrich diese Philosophie.
Expansion in neue Geschäftsfelder
Die Ammon Gruppe hat ihren Aktionsradius weiter gefasst: Mit der Tochter Max Dietrich in München in die Sicherheitstechnik, im Klimawandel-bedingten Geschäft mit Sonnenschutz und Insektenschutz. Eine PV-Abteilung mit sechs Mitarbeitern wurde etabliert.
Und dazu: Nach 25 Jahren kehrte im März das Unternehmen auch auf Messen zurück. Die Botschaft der 27. Fenstertage: Durch Zusammenarbeit und menschliche Wertschätzung lassen sich Marktphasen in Wachstumschancen verwandeln.
Die nächsten Fenstertage sind für den 24. und 25. April 2027 geplant – die Location wird rechtzeitig bekannt gegeben.
Den umfassenden Rückblick auf die Ammon-Fenstertage gibt es auch in der Juni-Ausgabe der GW