Zeit, die früher auf der Baustelle oder beim Kunden verbracht wurde, fließt heute in Dokumentation, Nachweise und Erklärungen. Steuerliche Pflichten, Meldungen gegenüber Krankenkassen, Dokumentation für das Finanzamt, Vorgaben der Berufsgenossenschaften. All das ist rechtlich notwendig, aber es kostet Arbeitszeit. Arbeitszeit, die am Produkt und beim Endkunden fehlt.
Diese Grundbelastung trifft jedes Handwerksunternehmen.
Im Fensterbau kommt eine zweite Ebene hinzu: Werden Bürokratie- und Planungsaufwand eingepreist?
Gerade in der Sanierung übernehmen Fensterbaubetriebe die Montageplanung und Fachplanung in Eigenregie. Anschlussdetails, Bauphysik, Lastabtragung, Bestandssituationen, Abstimmung mit anderen Gewerken. Diese Leistungen sind fachlich anspruchsvoll, haftungsrelevant und heute zwingend notwendig. Bezahlt werden sie in der Regel nicht. Sie sind im Angebot enthalten, unsichtbar für den Auftraggeber, aber entscheidend für die Qualität.
Parallel wächst die planerische Bürokratie: Technische Regelwerke, Montageleitfäden, Montageanleitungen der Hersteller und Normen stehen nebeneinander. Jedes für sich sinnvoll, jedes für sich ein eigenes Schriftstück, oft schwer lesbar. Die Verfasser versuchen, jede Eventualität abzubilden. Dass diese Texte in der Praxis kaum noch zu interpretieren sind, verwundert nicht. Problematisch wird es dort, wo sich Regelwerke widersprechen. Der Handwerker muss entscheiden, die Verantwortung bleibt bei ihm. Unsicherheit und Verärgerung sind die logische Folge.
Schaut man jedoch einmal bewusst von außen auf das Thema, wird es einfacher, als viele Regelwerke vermuten lassen.
Unabhängig vom Detail gilt im Kern immer dasselbe:
Marc Schütt
Wer diese bauphysikalischen Grundprinzipien versteht und umsetzt, erfüllt bereits einen Großteil der Normen, Richtlinien und Leitfäden, ohne jedes einzelne Dokument auswendig zu kennen. Dokumente ersetzen kein Verständnis.
Damit Fensterbaubetriebe ihre Unsicherheit verlieren, gibt es Unterstützung. Sachverständige aus dem Fensterbau und spezialisierte Fachplaner helfen dabei, Regelwerke in klare, praxisgerechte Lösungen zu übersetzen.
Bei Schütt Concepts begleiten wir Handwerker, Architekten, Investoren und Bauherren in allen Phasen rund um Fenster und Fassade. Nicht kontrollierend, sondern unterstützend. Ziel ist immer dieselbe Qualität, die gewünscht und benötigt wird, ohne Betriebe im Papier zu verlieren.
Ein weiterer Punkt beim Thema Bürokratieabbau betrifft die öffentlichen Ausschreibungen. Öffentliche Auftraggeber beklagen, dass sie kaum noch Angebote aus dem Handwerk erhalten. Das überrascht nicht, wenn bereits für die Angebotsabgabe umfangreiche Lastenhefte gelesen, verstanden und bestätigt werden müssen. Themen wie Kinderarbeit oder Nachhaltigkeit sind gesellschaftlich richtig und nachvollziehbar. Im deutschen Baubereich sind sie jedoch bereits umfassend gesetzlich geregelt. Für das Ausschreibungsverfahren selbst schaffen zusätzliche Erklärungen kaum Mehrwert. Nachhaltigkeit entscheidet sich im Bau vor allem über die eingesetzten Produkte und Systeme. Genau dort greifen bestehende Gesetze und Vorgaben. Zusätzliche Formulare binden Zeit, nicht Qualität.
Wenn wir das Handwerk entlasten, kommt es wieder ins Handeln. Wenn das Handwerk wieder handelt, können Aufträge abgearbeitet werden. Wenn Bürokratie reduziert wird, steigen Preise nicht unnötig. Und nur dann kann der Bau insgesamt wieder Fahrt aufnehmen.
Die Frage ist nicht, ob Regeln notwendig sind.
Die Frage ist, wie viele davon wir wirklich brauchen, damit Qualität entsteht.
Ich bin gespannt auf die Erfahrungen aus der Praxis.