Vor Kurzem hat Swisspacer den Frame:racer vorgestellt, mit dem sich die Rahmenproduktion von Abstandhaltern im Steckverfahren automatisieren lässt, und das bei hohen Taktzeiten von unter 20 Sekunden. Die Hintergründe und Details dazu erläutert Swisspacer-CEO Matthias Bach im exklusiven Interview mit der GW.
GW: Herr Bach, was war der ausschlaggebende Impuls für die Entwicklung des Frame:racer?
Bach: Sämtliche Entwicklungen tätigen wir für und mit unseren Kunden sowie Geschäftspartnern. So kam auch bei Frame:racer der Impuls von verschiedenen Kunden, die nach einer Lösung zur Steigerung ihrer Produktivität mithilfe eines hohen Automatisierungsgrads gesucht haben. Da wir uns nicht als reiner Produktanbieter verstehen, sondern ganzheitliche Lösungen mit Mehrwert entwickeln wollen, ist die Markt- und Kundennähe für uns ein wichtiger Schlüssel für nachhaltigen Erfolg. Nur so entsteht wirkungsvolle Innovation – wie im Kleinen mit dem einzigartigen Swisspacer Air für den Druckausgleich und heute im Großen mit der Automationslösung Frame:racer.
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Mit dem neuen Frame:racer wird eine vollautomatisierte Rahmenfertigung möglich, und das bei Taktzeiten von unter 20 Sekunden.
GW: Swisspacer war bislang primär als Systemanbieter für Abstandhalter bekannt. Warum gehen Sie nun den Schritt in Richtung Automatisierungslösung?
Bach: Von unseren Kunden wissen wir, dass nicht nur eine hohe Produktivität, sondern auch eine gleichbleibende Qualität und Prozesssicherheit wichtige Wettbewerbsfaktoren sind, die heute die Grundlage für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung darstellen. Automation ist dabei eines der zentralen Themen, welche die Rahmenbedingungen dafür schafft. Zudem wollen wir Kunden dabei begleiten, Automation dort einzusetzen, wo sie einen unmittelbaren Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat. So können Mitarbeitende für andere wichtige Aufgaben eingesetzt werden, wodurch in Kombination Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmenswachstum sichergestellt werden können. Wir von Swisspacer sehen uns somit als Partner, nun Frame:racer zum Vorteil unserer Kunden anbieten zu können, und sie getreu unseres Claims „The edge of tomorrow“ fit für die Zukunft zu machen.
GW: Sie sprechen von einer Rahmenfertigung in unter 20 Sekunden. Unter welchen Produktionsbedingungen ist diese Taktzeit realistisch erreichbar?
Bach: Unsere Anlage realisiert einen vollautomatisierten “One-Piece-Flow" bei gleichbleibend hoher Ausbringungsmenge, unabhängig von der Abfolge verschiedener Größen. Wir rechnen dabei im Standard mit Rahmengrößen von 1,20 m x 1,20 m. Bei einer Fertigung von größeren Rahmen – z.B. von 1,5 m x 2,5 m – kann sich die Taktzeit durch die Menge an Trockenmittel im Füllprozess leicht erhöhen. Ich möchte aber betonen, dass es sich in solch einem Fall nur um minimale Erhöhungen im Millisekunden- bis maximal Sekundenbereich handelt. Die Kombination aus Flexibilität und Höchstgeschwindigkeit in der Fertigung ist einzigartig.
Bei einer manuellen Fertigung werden in der Regel vier Personen benötigt. Mit Frame:racer reduziert sich dies auf nur noch eine Person.
GW: Wie fügt sich die Maschine in bestehende Linienkonzepte ein? Ist eine einfache Nachrüstung/Integration in bestehende ISO-Linien möglich?
Bach: Auf jeden Fall, denn die Anlage berücksichtigt die Gesamtsituation des jeweiligen Isolierglas-Herstellers und ist im Layout durch die Ausführung mit vier Robotern recht flexibel. Bezogen auf die hohe Ausbringungsmenge ist der Platzbedarf vergleichbar mit anderen Anlagenkonzepten. Da Frame:racer fertig gefüllte Rahmen produziert, die unmittelbar auf der ISO-Linie weiterverarbeitet werden können, fügt sich diese nahtlos in das gesamte Linienlayout ein. Wir schauen immer die individuelle Situation zusammen mit dem Kunden an und entwickeln auf Basis dessen die für ihn sinnvollste Lösung.
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Der neue Swisspacer Ultimate | Nyxé mit durchgängig schwarze Gestaltung
GW: Welche Rolle spielt die Prozesssicherheit im Vergleich zur reinen Taktleistung?
Bach: Beide Themen sind gleichermaßen wichtig und werden zu 100 Prozent gewährleistet. Auch hier möchte ich festhalten, dass unsere hochautomatisierte Anlage die Fertigungsschritte äußerst zuverlässig ausführt und somit eine reproduzierbar hohe Qualität mit einzigartiger Geschwindigkeit vereint: Eine hervorragende Kombination für eine neue Ära in der Rahmenfertigung.
GW: Inwiefern verändert Frame:racer den Personalaufwand in der Rahmenfertigung?
Bach: Bei einer manuellen Fertigung werden in der Regel vier Personen benötigt. Mit Frame:racer reduziert sich dies auf nur noch eine Person: diese füllt das Profilmagazin, das Eckwinkellager und wechselt bei Bedarf die Trockenmitteltonne sowie den Galgen aus. Das restliche Personal kann sich so auf andere Aufgaben fokussieren, was insbesondere in Ländern mit hohen Lohnkosten und vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels einen großen Wettbewerbsvorteil mit sich bringt.
GW: Die Lösung wurde mit einem OEM-Partner entwickelt. Was war Ihnen in dieser Zusammenarbeit besonders wichtig?
Bach: Unser Ziel war es, einen OEM-Partner zu finden, welcher die Besonderheiten unserer Swisspacer Produkte kennt und versteht. Zudem musste umfassende Erfahrung in der Branche bestehen, sodass Kundenbedürfnisse nicht nur verstanden, sondern auch antizipiert werden können. Unser Mindset ist, stets an Morgen zu denken und Kunden mit neuen Lösungen zu überraschen und begeistern. Das setzen wir auch bei unseren Partnern voraus. Und exakt diesen kompetenten, branchenerfahrenen und zuverlässigen Partner haben wir für Frame:racer gefunden.
Unsere Frame:racer Anlage realisiert einen vollautomatisierten “One-Piece-Flow" bei gleichbleibend hoher Ausbringungsmenge, unabhängig von der Abfolge verschiedener Rahmengrößen.
Marlies Beeler-Thurnheer
Swisspacer CEO Matthias Bach zeigt den neuen Ultimate | Nyxé – ein Abstandhalter, der Design, Performance und Ressourcenschonung kombiniert.
GW: Für welche Betriebsgrößen oder Produktionsvolumina ist Frame:racer besonders interessant?
Bach: Um eine hohe Auslastung der Anlage und somit einen maximal wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten, empfehlen wir die Anlage ab einem Bedarf von 800’000 Rahmen pro Jahr. In dieser Größenordnung spielen hohe Geschwindigkeit und Reproduzierbarkeit eine besonders kritische Rolle. Aber auch für kleinere Betriebsgrößen, welche durch reproduzierbare Qualität und hohe Prozesssicherheit punkten wollen, können wir passende Lösungen empfehlen. Wir stehen immer gerne für einen Austausch bereit.
GW: Wie stellen Sie sicher, dass Maßhaltigkeit und Qualität dauerhaft reproduzierbar bleiben?
Bach: Das ist der Kerngedanke von Automation: Durch die Entwicklung ausgeklügelter Prozesse und Mechanismen, den Einsatz hochwertiger Komponenten sowie dem Zusammenspiel von Soft- und Hardware zur Kalibrierung entsteht ein höchst zuverlässiger Prozess mit langfristig gleichbleibender Prozessstabilität. Das Endresultat ist der perfekte Swisspacer Abstandhalterrahmen mit bester wärmetechnischer Performance, produziert in unter 20 Sekunden.
GW: Wenn Sie in die Zukunft blicken: Ist Frame:racer ein Einzelprojekt – oder der erste Schritt in Richtung weiterer Prozesslösungen aus Ihrem Haus?
Bach: Frame:racer ist ein Service, mit welchem wir Kunden helfen wollen, schneller und besser zu werden. Wir denken über den reinen Bereich der Abstandhalter hinaus und betrachten das gesamte Leistungsspektrum des Fensters: Als Lösungsanbieter richten wir uns heute und auch in Zukunft konsequent darauf aus, Innovationen zu entwickeln, die unseren Kunden einen klaren Mehrwert bieten. Die Branche darf sich also auf weitere spannende Entwicklungen aus dem Hause Swisspacer freuen.
Die Fragen stellte Matthias Rehberger
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Die Frame:racer-Anlage ist für mehrstündige autonome Laufzeiten ausgelegt.