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CE-Zeichen nur nach Extremtest: PIV prüft Fenster mit Orkanstärke

Das Prüfinstitut Schlösser und Beschläge Velbert (PIV) unterzieht Fenster, Türen und Fassaden einem vierstündigen Extremtest, der über die EU-Markttauglichkeit entscheidet. Ohne bestandene Prüfung nach den Normen DIN EN 14351-1 (für Fenster) und DIN EN 13830 (für Fassaden) dürfen Hersteller kein CE-Zeichen vergeben und ihre Produkte nicht in der EU verkaufen.

Der Test beginnt mit drei Druckstößen bei maximalem Luftdruck von 660 Pascal – das entspricht fast 120 km/h Windgeschwindigkeit und erreicht Orkanstärke. "Das ist schon ein kräftiger Guss", beschreibt Gregor Röhling, der seit 16 Jahren im PIV prüft, die Belastung durch die Sprühdüsen, die alle 40 Zentimeter angebracht sind und jeweils zwei Liter Wasser pro Minute ausstoßen.

Prüfung der Luftdurchlässigkeit

Zunächst wird der Prüfstand vorbereitet und das Element montiert. Dann beginnt die vierstündige Prüfung. Es werden drei Druckstöße mit maximalem Luftdruck, was in diesem Fall 660 Pascal (Pa) sind, auf das Element auf das Element angewendet. Das entspricht umgerechnet fast 120 km/h und erreicht damit Orkanstärke. Danach startet der eigentliche Test mit einem Druckanstieg in Stufen von 50 Pascal. Dies entspricht einer leichten Brise von 35 km/h und bewegt in der freien Natur die Zweige eines Baumes. Für ein Fenster- oder Türelement dürfte das kein Problem sein. Der Druck wird schrittweise auf 300 Pascal erhöht. Das gleicht bereits einem Sturm mit knapp 90 km/h, der schon für leichte Beschädigungen in der Umwelt sorgen kann. Um die Markttauglichkeit zu prüfen, wird der Druck ab 300 Pa in 150-Pascal-Schritten bis 600 Pascal gesteigert. Dieser Wert entspricht einem orkanartigen Sturm. Der Test wird dann mit negativem Druck wiederholt, sodass ein ebenso starker Sog entsteht.

Die Norm definiert vier Luftdurchlässigkeitsklassen, wobei Klasse 4 die höchste ist. Um eine der vorgegebenen Klasse zu erreichen, darf die gemessene Luftdurchlässigkeit den oberen Grenzwert bei einem Prüfdruck in dieser Klasse nicht überschreiten. Bewertet wird sowohl die Luftdurchlässigkeit bezogen auf die Gesamtfläche als auch auf die öffenbaren Fugen.

Prüfung auf Schlagregendichtheit

Zunächst wird das Element 15 Minuten ohne Luftdruck beregnet. Falls der vorherige Orkansturm minimale Verformungen verursacht hat, würden diese bereits hier sichtbar werden. Doch laut Gregor Röhling, der seit 16 Jahren im PIV prüft, kommt das kaum noch vor. Danach beginnt die eigentliche Prüfung mit ansteigendem Luftdruck, analog zur Luftdurchlässigkeitsprüfung, bis 600 Pascal erreicht sind. Auf Kundenwunsch können aber auch noch höhere Drücke geprüft werden. Der Prüfstand verfügt über Sprühdüsen alle 40 Zentimeter, die jeweils zwei Liter Wasser pro Minute versprühen. „Das ist schon ein kräftiger Guss“, weiß Röhling zu berichten. Während der Prüfung beobachtet der Prüfer das Element auf Wasseraustritt. Auffälligkeiten werden protokolliert.

Windlastprüfung mit Millimeter-Präzision

Ist das Element nach der Schlagregenprüfung innen trocken geblieben, kann der Hersteller – der einer solchen Prüfung gerne beiwohnt – erst einmal aufatmen. Doch die Prüfung ist noch nicht vorbei: Jetzt folgt die Windlastprüfung. Hierbei wird geprüft, ob sich das Element im zulässigen Rahmen verformt. Dafür bringt der Prüfer Messtaster am Prüfkörper an. Diese messen, ob die Deformationen während der Prüfung noch im Toleranzbereich liegen. Anschließend gibt es wieder 3 Druckstöße. Die Druckhöhe hängt von der Klasse ab, die geprüft wird. Je nach Klasse (1 bis 5) beträgt der Druck P1 400, 800, 1.200, 1.600 oder 2.000 Pascal. Auf Kundenwunsch können aber auch hier höhere Drücke geprüft werden.
Die 3 Druckstöße werden mit einem Druck von P1+10% durchgeführt. Es folgt ein schrittweise Druckanstiegt in 400 Pa Schritten bis zu P1 der jeweiligen Klasse, der 30 Sekunden gehalten wird. Dann wird die Durchbiegung gemessen.
Nach dem Druckabbau wird eine Minute später ohne Windlast erneut die Durchbiegung geprüft, um bleibende Verformungen zu erkennen. Danach wird der Test mit negativem Druck wiederholt. In der zweiten Prüfhälfte erfolgen 50 Zyklen mit abwechselndem positivem und negativem Druck, jeweils mit halbem P1-Druck. Zum Abschluss folgt eine Sicherheitsprüfung: Hierbei wird das Element mit dem 1,5-Fachen des maximalen Drucks belastet. Es darf sich stärker verformen als in der Norm vorgegeben, muss aber intakt bleiben.

Für die Windlastprüfung werden Messtaster am Prüfkörper angebracht. Diese messen, ob die Durchbiegungen während der Prüfung noch im Toleranzbereich liegen.

Gütegemeinschaft Schlösser und Beschläge

Für die Windlastprüfung werden Messtaster am Prüfkörper angebracht. Diese messen, ob die Durchbiegungen während der Prüfung noch im Toleranzbereich liegen.

Nun erfolgt die Auswertung: „Wir untersuchen das Prüfelement auf Schäden oder gelöste Teile. Alle Befunde geben wir ins Protokoll ein. Unsere Software wertet schließlich alle erhobenen Daten aus und der Kunde erhält die Dokumentation, das Protokoll und meistens auch das positive Prüfergebnis“, sagt Röhling.

PIV: Seit 1978 Qualitätssicherung für die Branche

Das zur Gütegemeinschaft Schlösser und Beschläge e.V. gehörende PIV nimmt seit 1978 neben mechanischen Produktprüfungen an Schlössern und Beschlägen sowie an Fenstern und Türen auch Prüfungen der Mechatronik vor. Das Institut arbeitet in nationalen und internationalen Normungsgremien mit und ist nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert, wodurch die Prüfergebnisse weltweit akzeptiert werden.

Das PIV verfügt über eine Zertifizierungsstelle gemäß DIN EN ISO/IEC 17065, ist anerkannte Überwachungs- und Zertifizierungsstelle nach der Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen, notifizierte Prüf- und Zertifizierungsstelle nach der Bauproduktenverordnung und anerkannte Prüfstelle für DIN CERTCO.

Autorin: Silke Fax-Koppers, Referentin für Kommunikation und Projektmanagement

Der Prüfstand verfügt auf seiner Fläche von 5 mal 6 Metern alle 40 Zentimeter über eine Sprühdüse, die 2 Liter pro Minute ausstoßen kann.

Gütegemeinschaft Schlösser und Beschläge

Der Prüfstand verfügt auf seiner Fläche von 5 mal 6 Metern alle 40 Zentimeter über eine Sprühdüse, die 2 Liter pro Minute ausstoßen kann.