Extremwetterereignisse werden häufiger und intensiver – das verunsichert Hausbesitzer und eröffnet Fensterhändlern gleichzeitig neue Geschäftschancen. Wer das Verkaufsgespräch richtig führt, kann aus der Sorge vor Wetterextremen lukrative Aufträge für hochwertige Schutzlösungen generieren. Laut Deutschem Wetterdienst nehmen Starkregenereignisse ebenso zu wie langanhaltende Hitzeperioden und schwere Stürme. Diese Entwicklung sollten Fensterhändler als Verkaufsargument nutzen. "Tatsächlich entwickeln sich neue Bedrohungsszenarien, die auch mechanische Belastungen durch extreme Wetterereignisse umfassen", erklärt Sicherheitsglas-Spezialist Sebastian Dengg.
Konkrete Zahlen untermauern die Argumentation: Hagelkörner mit bis zu 5 cm Durchmesser sind keine Seltenheit mehr und können immense Schäden an Glasflächen anrichten. In Regionen, die häufig von Unwettern, starken Winden oder Hurrikans betroffen sind, gewinnen entsprechende Sicherheitsgläser zunehmend an Bedeutung. Dabei sind nicht nur Widerstandsfähigkeit gegen Einbruch gefragt, sondern auch die Fähigkeit, extremen Windkräften sowie Regen, Hagel und umherfliegenden Trümmern standzuhalten.
Sicherheitsglas verkaufen: Hybrid-Lösungen als Verkaufschance
Bei der Kundenberatung können Händler auf die Vorteile von Verbundsicherheitsgläsern (VSG) hinweisen, die aus mehreren Glasschichten mit Sicherheitsfolien bestehen. "Bei den hier angesprochenen Sicherheitsgläsern bleiben Verbundsicherheitsgläser (VSG), die aus mehreren Glasschichten bestehen, welche durch (Sicherheits-)Folien miteinander verbunden sind, weiterhin führend. Das gilt insbesondere, wenn größere Formate gefordert werden oder wenn das Glas erhöhte statische Belastungen aufnehmen muss", so Dengg.
Noch überzeugender sind Hybrid-Scheiben mit integrierten Polycarbonat-Schichten. "Die Kombination aus Glas und Polycarbonat kann es ermöglichen, hohe Widerstandsklassen zu erreichen, während gleichzeitig das Gewicht des Glases reduziert wird – was bei der Resilienz gegenüber mechanischen Belastungen wie den Auswirkungen von Hurrikanen oder starken Windböen von Vorteil ist", erklärt Dengg.
Systembetrachtung als Verkaufsargument
Ein wichtiger Verkaufspunkt: "Entscheidend ist, dass nicht nur die Glasfläche selbst, sondern das gesamte System aus Glas, Glasanbindung, Rahmen und Befestigungen berücksichtigt wird, um den geforderten Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden", betont Dengg. Es bedarf einer engen Verzahnung von Sicherheitsglas mit speziell verstärkten Rahmensystemen und Befestigungen sowie speziellen Wandanbindungen.
Rollläden als Allround-Schutz: Multifunktionale Verkaufsargumente
©️André Urban
Rollläden bieten Kunden einen umfassenden Schutz vor verschiedenen Wetterextremen und sind daher ein starkes Verkaufsargument. Sie haben sich dank technischer Innovationen zu intelligenten Bauelementen entwickelt, die weit mehr leisten als einfache mechanische Abdeckungen.
Aluminium-Rollläden zeigen sich besonders widerstandsfähig gegen Hagel und können je nach Materialstärke selbst größeren Eiskörnern standhalten. Aluminium ist wegen seiner Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit und Langlebigkeit bei vielen Herstellern der Werkstoff der Wahl für Rollläden mit erhöhten Anforderungen. Moderne Beschichtungen erhöhen zusätzlich die UV-Beständigkeit und Kratzfestigkeit.
Holzrollläden punkten durch natürliche Dämmwerte und eine hohe Stoßfestigkeit. Werden sie regelmäßig gewartet und mit witterungsbeständigen Lacken versehen, sind sie ebenfalls langlebig. Besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden oder ökologischen Baukonzepten bleibt Holz eine wichtige Alternative.
Technologische Vorteile kommunizieren
Gegen Starkregen und Wind wirken geschlossene Rollläden abdichtend und dienen als Schutzschild gegen umherfliegende Gegenstände. In Zeiten zunehmender sommerlicher Hitze tragen Rollläden, insbesondere in Kombination mit automatisierter Steuerung, zur passiven Kühlung von Gebäuden bei.
Hitzeschutz richtig nutzen
Um Hitzestau vorzubeugen und ein unangenehmes Aufheizen des Innenraums vorzubeugen ist es wichtig, Rollladen bei Hitze nicht ganz zu schließen. Gerade bei großen Glasflächen und Fenstern in Süd- oder Westausrichtung kann sich ein Raum ohne Sonnenschutz schnell auf über 30°C aufheizen. Ein geschlossener Rollladen wirkt hier wie ein Schutzschild gegen direkte Sonneneinstrahlung und reduziert den Wärmeeintrag deutlich. Wichtig ist jedoch, dass die Rollladen nicht ganz runtergelassen werden, damit warme Luft durch die Lüftungsschlitze entweichen kann.
Händler sollten die technologischen Fortschritte hervorheben: Automatisierte Steuerungssysteme ermöglichen es, dass Rollläden bei aufziehenden Unwettern selbstständig schließen, wobei sie auf integrierte Wetterdaten und Sensoren wie Wind-, Regen- oder Temperatursensoren reagieren. Für zusätzliche Stabilität sorgen windlastoptimierte Führungsschienen und verstärkte Lamellenprofile.
Solartechnologie macht die Systeme autark: Selbstversorgende Steuerungssysteme mit integrierten Solarpanels sichern den autarken Betrieb – ein deutlicher Vorteil bei wetterbedingten Stromausfällen.
Hochwasserschutz: Speziallösungen für gefährdete Lagen
Triflex
Bei Starkregen-Problemen können Händler hochwasserbeständige Fenster empfehlen. Schon zehn bis zwanzig Zentimeter Wasser reichen häufig aus, damit es durch herkömmliche Keller- oder Erdgeschossfenster ins Haus eindringt. Dabei steht mehr auf dem Spiel als nur nasse Wände – es drohen dauerhafte Feuchtigkeitsschäden und Schimmel.
"Hochwasserbeständige Fenster und Türen werden für definierte Wasserstände geprüft und klassifiziert. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelnes Konstruktionsmerkmal, sondern das geprüfte Gesamtsystem aus Bauelement, Dichtungen, Beschlägen und der gegen anstehendes Wasser dichten Anbindung an den Baukörper. Je nach geprüfter Klasse wird der Wassereintritt verhindert oder auf ein festgelegtes Maß begrenzt", erklärt VFF-Geschäftsführer Frank Lange.
Kellerfenster besonders gefährdet
Besonders bei Kellerfenstern ist Fachkompetenz gefragt: "Läuft ein Lichtschacht bei Starkregen voll Wasser, entsteht eine Wassersäule, die hohen Druck auf das Fenster ausübt." Deshalb empfiehlt der VFF, Kellerfenster in gefährdeten Lagen hochwasserbeständig auszuführen. Welche Ausführung und Klassifizierung erforderlich ist, sollte anhand der Tiefe des Kellerschachts und der konkreten Einbausituation durch einen Fachbetrieb bestimmt werden.
Kundenempfehlungen für den Ernstfall
Händler sollten ihren Kunden konkrete Verhaltensregeln mitgeben und dabei ihre Kompetenz unter Beweis stellen:
Bei Sturm und Gewitter: Fensterläden sollten rechtzeitig geschlossen und gesichert werden, denn sie schützen die Verglasung vor Hagel und umherfliegenden Ästen. "Wichtig ist, dass Rollläden komplett heruntergefahren werden. Bleiben Lüftungsschlitze geöffnet oder steht der Rollladen nur halb geschlossen, kann der Wind darunter greifen und ihn aus der Führung reißen", warnt Lange.
Anders bei Raffstores und Markisen: Sie sollten bei starkem Wind rechtzeitig vollständig eingefahren werden. Maßgeblich sind dabei die Angaben des jeweiligen Herstellers. Es empfiehlt sich, bereits bei der Planung einen Windwächter beziehungsweise Windsensor einzubauen, der automatisch reagiert.
Bei Textilscreens kommt es auf die jeweilige Ausführung an. Einige Systeme müssen bei starkem Wind rechtzeitig eingefahren werden. Es gibt jedoch speziell entwickelte Textilscreens mit erhöhter Windstabilität, die auch bei höheren Windgeschwindigkeiten eingesetzt werden können.
Hagelresistenz: Prüfungen als Verkaufsargument
Um die Widerstandsfähigkeit objektiv zu bewerten, sind Hagelsimulatoren im Einsatz. In akkreditierten Prüflaboren werden genormte Eiskugeln mit hoher Geschwindigkeit auf Rollladenpanzer geschossen – aus Luftdruckkanonen oder als Falltests aus definierter Höhe.
Besondere Bedeutung hat das Hagelregister der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) aus der Schweiz. Es teilt Produkte in Hagelwiderstandsklassen (HW-Klassen) von 1 (leichter Hagel) bis 7 (extremer Hagel) ein. Produkte der Klassen 4 oder 5 gelten als besonders robust.
Aluminium-Rollläden mit ausgeschäumten Profilen erreichen in der Regel diese Klassen, wenn sie fachgerecht verbaut wurden und das Lamellenprofil ausreichende Dicke und Festigkeit aufweist. Auch Holzrollläden mit massiven Stäben können gute Werte erzielen.
Planer, die zertifizierte Rollladenprodukte mit ausgewiesener Hagelklasse spezifizieren, können das Schadensrisiko für Gebäude deutlich reduzieren. Einige Wohngebäudeversicherungen gewähren inzwischen sogar Prämiennachlässe, wenn nachweislich hagelresistente Bauelemente verbaut sind – ein zusätzliches Verkaufsargument.
Normen und Zertifizierungen als Qualitätsnachweis
Verbindliche Normen schaffen Vertrauen beim Kunden. Die DIN EN 13659 definiert die Anforderungen an außenliegende Abschlüsse wie Rollläden in Bezug auf Windlasten, Betriebssicherheit und Dauerfunktion. Die CE-Kennzeichnung bestätigt, dass grundlegende Anforderungen an Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz eingehalten werden.
Hersteller, die ihre Rollläden freiwillig nach RC-Klassen zertifizieren lassen, zeigen Qualitätsbewusstsein und schaffen Vertrauen bei Architekten, Planern, Verarbeitern und Endkunden.
Grenzen ehrlich kommunizieren
Wichtig für das Verkaufsgespräch: Die Schutzwirkung von hochwasserbeständigen Fenstern gilt nur bis zum ausgewiesenen Wasserstand und setzt eine fachgerechte Montage sowie die Beachtung der Herstellerangaben voraus. Gegen strömende Wassermassen, wie sie bei Sturzfluten auftreten, bieten sie keinen vollständigen Schutz. Hier werden zusätzliche Schutzwände sowie weitere hochwassersichere Gebäudeelemente benötigt.
Fördermittel als Kaufanreiz
Händler sollten ihre Kunden auf mögliche Förderprogramme hinweisen. Für neue Fenster und automatisch gesteuerten Sonnenschutz können verschiedene Programme in Frage kommen. Wichtig: Fördermittel müssen vor der verbindlichen Auftragsvergabe beantragt werden.
Das Wissensportal "Fenster können mehr" bietet eine erste Orientierung zu Fördermöglichkeiten und unterstützt bei der Suche nach qualifizierten Fachbetrieben. Dort finden Interessierte Informationen rund um moderne Fenster und Türen sowie Hinweise zu möglichen Fördermitteln.
Förderungen von den Gebietskörperschaften sind ein wichtiger Hebel für den Fensterverkauf – doch die Komplexität schreckt viele Fachbetriebe ab. Mit den „Förderkollegen“ gibt es eine Lösung, die auf einen kostenlosen Fördercheck in 24 Stunden setzt. Im Interview erklären die Gründer, warum bestehende Lösungen nicht ausreichen und wie sie den Förderdschungel für kleine und große Betriebe gleichermaßen zugänglich machen.