Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
VFF + BF: Fachtagung zu Statistik und Markt

Die aktuellen Fenstermarkzahlen für Deutschland

Zum Auftakt machte VFF-Geschäftsführer Frank Lange deutlich, dass die Rahmenbedingungen für Investitionen stabil bleiben müssen. Für 2026 seien die Fördermittel gesichert, ab 2027 könnten jedoch Haushaltsdefizite zu Einschnitten führen. „Wir können keine weitere Störung gebrauchen, die Investoren abhält. Wir brauchen Planungssicherheit, sonst wird der Markt nicht vorankommen", so Lange.

Während das Objektgeschäft etwas verhaltener eingeschätzt wird, bleibt der Wohnbau vergleichsweise robust. Lieferzeiten und Verfügbarkeiten gelten derzeit als unkritisch. Eine spürbare Markterholung erwartet Lange im Laufe des Jahres 2026 (die detaiilieten Zahlen stehen weiter unten).

„Fenstermarkt 2026-05“: Die aktuellen Fenstermarktzahlen im Überblick, Stand Mai 2026.

Heinze/VFF

„Fenstermarkt 2026-05“: Die aktuellen Fenstermarktzahlen im Überblick, Stand Mai 2026.

Grundsätzlich sieht Frank Lange den Markt trotz geopolitischer Unsicherheiten als stabil an. Gleichzeitig betonte er, dass aufgrund der aktuellen Lage im Osten und dem Krieg dort aktuell nicht abschätzbar sei, welchen Einfluss diese Entwicklungen auf die heimischen Märkte haben werden. 

Bleiben diese zusätzlichen Belastungen aus, bestehen gute Chancen, dass sich die Robustheit des Marktes 2026 auch in einer positiven Entwicklung niederschlägt. Die gegenwärtigen Daten zeigen für den Fenstermarkt, dass in allen Segmenten des Wohn- und Nichtwohnbaus sowohl im Neubau als auch in der Sanierung ein Wachstum zu erwarten ist.

VFF-Geschäftsführer Frank Lange gibt seine Einschätzung zur Marktentwicklung.

Matthias Rehberger / GW

VFF-Geschäftsführer Frank Lange gibt seine Einschätzung zur Marktentwicklung.

Politisch stehen Themen wie das Gebäudemodernisierungsgesetz (EPBD) sowie neue Ansätze wie der Gebäudetyp E im Fokus. Ziel ist es, kostengünstigeres Bauen durch rechtssicheres Abweichen von anerkannten Regeln der Technik zu ermöglichen. Neue Anforderungen an die Gebäudehülle sind aktuell nicht vorgesehen.

Wohnungsbau als zentrale Herausforderung

Prof. Dr. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln ordnete die gesamtwirtschaftliche Lage ein. Trotz verhaltener Konjunkturaussichten rechnet er für 2026 mit einem moderaten Wachstum von rund 0,5 Prozent.

Ein zentrales Problem bleibt der Wohnungsbau: Mit rund 215.000 fertiggestellten Wohnungen liegt Deutschland deutlich unter dem Bedarf von etwa 310.000 Einheiten jährlich. Der Mangel an Wohnraum wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus, da fehlende Wohnungen u.a. auch die Zuwanderung von Fachkräften erschweren.

Martin Langen (l.) gibt einen Überblick über die Marktsituation in Deutschland

Matthias Rehberger / GW

Martin Langen (l.) gibt einen Überblick über die Marktsituation in Deutschland

„Bauen wird gebraucht", so Voigtländer. Gleichzeitig müsse sich die Branche strukturell weiterentwickeln. Als zentrale Hebel nennt er unter anderem mehr Digitalisierung, eine stärkere Integration von Planung und Bau, industrielle Vorfertigung sowie eine Abkehr von übermäßiger Regulierung hin zu mehr Zielorientierung. Trotz aktueller Stagnation zeigt sich der Immobilienmarkt stabil. 

Wie sieht die Baukonjunktur aus?

Martin Langen von B+L Marktdaten skizzierte die aktuelle Lage der Bauwirtschaft. Drei Faktoren hätten die Branche zuletzt belastet: ein harter Winter, gestiegene Zinsen und hohe Energiekosten.

Gleichzeitig zeigen sich erste positive Signale: Bauaufträge und Genehmigungen entwickeln sich wieder zweistellig, der private Neubau zieht an. Schwach bleibt hingegen die Sanierung.

Die öffentliche Hand dürfte künftig eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Langen empfiehlt Unternehmen, sich stärker auf öffentliche Aufträge auszurichten und falls nötig aufgrund der Auftragsvolumen gegebenenfalls Kooperationen einzugehen.

Langfristig sieht er eine weitere Differenzierung des Marktes: Im Einfamilienhausbau steigt die Nachfrage nach hochwertigen Lösungen, während im Mehrfamilienhausbau eher standardisierte, kostengünstigere Systeme gefragt sind.

Jörg Flasdieck (Heinze Marktforschung) präsentiert die aktuellen Fenster- und Türenzahlen.

Matthias Rehberger / GW

Jörg Flasdieck (Heinze Marktforschung) präsentiert die aktuellen Fenster- und Türenzahlen.

Fenster- und Außentürenmarkt 2026 im Detail

„In allen Segmenten zieht der Markt an – im Wohnbau schneller als im Nichtwohnbau. Das stimmt uns zuversichtlich, denn die Talsohle ist durchschritten", so Frank Lange. „Die Lage ist insgesamt nicht so negativ, wie vielfach befürchtet. Die Baubranche ist zuletzt zugleich von Zinsanstieg, steigenden Diesel- und Energiepreisen sowie weiteren Unsicherheiten getroffen, zugleich blieben die Preisentwicklungen bislang relativ überschaubar. Voraussetzung für eine positive Marktentwicklung 2026 bleibt damit, dass sich die politischen und förderpolitischen Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern und zusätzliche Unsicherheiten im regulatorischen Umfeld ausbleiben."

Vorgestellt wurden die aktuellen Marktzahlen für Fenster und Außentüren von Jörg Flasdieck (Heinze Marktforschung GmbH). Diese wurden gemeinsam mit den Branchenverbänden VFF, BF, pro-K sowie der Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) erhoben .

Der Fenstermarkt verzeichnete 2025 einen leichten Rückgang um 0,2 Prozent auf 12,88 Mio. Fenstereinheiten (FE = 1,3 x 1,3 m). Für 2026 prognostizieren die Verbände bewusst zwei Szenarien: ein Basisszenario mit einem Wachstum auf 13,28 Mio. FE (+3,1 Prozent) sowie ein Alternativszenario mit 13,13 Mio. FE (+1,9 Prozent), das mögliche Belastungen durch geopolitische Unsicherheiten sowie steigende Beschaffungs- und Energiepreise berücksichtigt.

Der Außentürenmarkt, der 2025 leicht um 0,4 Prozent auf 1,141 Mio. Türen zugelegt hat, soll 2026 auf 1,174 Mio. Stück (+2,9 Prozent) im Basisszenario bzw. auf 1,162 Mio. Stück (+1,8 Prozent) im Alternativszenario wachsen.

Matthias Rehberger / GW

Trendumkehr im Neubau

Besonders deutlich fällt die Trendumkehr im Neubau aus: Während das Segment Wohnbau bei den Fenstern 2025 noch um 1,3 Prozent nachgab, wird für 2026 ein Plus von 5,5 Prozent erwartet. Auch der Sanierungsmarkt entwickelt sich besser als zunächst angenommen – statt der im Oktober 2025 prognostizierten 1,1 Prozent wird nun ein Zuwachs von 2,7 Prozent erwartet.

Der „Bauturbo" der neuen Bundesregierung sowie die befristete Wiedereinführung der EH55-Förderung für bereits genehmigte Bauvorhaben zeigen im bisherigen Jahresverlauf allerdings nur schwache Wirkung.

Der Markt für Außentüren

„Im Bereich der Sicherheitstechnologie sehen wir weiter Wachstumschancen. Mit der richtigen politischen Flankierung kann dieser Bereich einen zusätzlichen Beitrag zur Markterholung leisten", so Stephan Schmidt, Geschäftsführer des FVSB.

Im Außentürenmarkt wird 2026 im Wohnungsbau ein Wachstum von 2,9 Prozent prognostiziert, getragen von einer soliden Entwicklung sowohl in der Modernisierung (+2,4 Prozent) als auch im Neubau (+4,5 Prozent). Stabil bleibt zudem der Anteil sicherheitstechnisch ausgestatteter Türen: Für 2026 weist die Studie aus, dass 62,3 Prozent aller Türen über eine erhöhte Sicherheit verfügen.

Sven Weihe, Geschäftsführer des pro-K Industrieverbands, weist auf die differenzierte Datenerhebung hinsichtlich der Rahmenmaterialien hin: „Innovative Materialien und Produktlösungen haben weiterhin hohe Marktanteile. Eine stärkere Berücksichtigung nachhaltiger Kunststoffanwendungen, die über ein besonderes Anforderungsprofil verfügen, könnte neue Impulse setzen, gerade im Sanierungsmarkt."

BF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs

Matthias Rehberger / GW

BF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs

Glasmarkt

BF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs ordnet die Lage der Glasindustrie ein: „Die Glasindustrie wird derzeit natürlich – wie zuletzt nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 – durch steigende Energiekosten getroffen, deren Auswirkungen abzuwarten sind. Aber Glas und Fenster werden ja gebraucht – es muss gebaut und es muss saniert werden!"

Eine angepasste Prognose für die Marktentwicklung 2026 wird unter Berücksichtigung der geopolitischen Lage, möglicher wirtschaftspolitischer Maßnahmen und der Zinsentwicklung auf der nächsten VFF-Fachtagung „Statistik und Markt" am 29. September 2026 vorgestellt.

Über die Branche

In Deutschland gibt es laut der neuen Studie des VFF aus dem Jahr 2022 rund 5880 Fensterbaubetriebe mit etwa 100.500 Beschäftigten. Die Unternehmen erwirtschaften danach pro Jahr etwa 12 Mrd. Euro. Dazu kommen noch die vielen Betriebe und Mitarbeiter der Zulieferindustrie aus den Bereichen Schlösser und Beschläge, Kunststoff- und Metallprofile, Holz, Glas, Dichtungen sowie weiteres Zubehör: Inklusive aller wesentlichen vor- und nachgelagerten Industriezweige arbeiten rund 300.000 Mitarbeiter in rund 58.000 Betrieben in der deutschen Fenster- und Fassadenbranche. Sie erwirtschaften pro Jahr insgesamt rund 38 Mrd. Euro.

Die Referenten der Fachtagung Statistik und Markt des VFF und des BF in Frankfurt wurden am 28. April

Matthias Rehberger / GW

Die Referenten der Fachtagung Statistik und Markt des VFF und des BF in Frankfurt wurden am 28. April