Die entscheidenden Anwendungsfelder von KI liegen nicht in Marketingfolien über Innovation, sondern im operativen Alltag: Produktionsplanung, Qualitätssicherung, Vertrieb, Instandhaltung und Sicherung von Erfahrungswissen. Die zentrale Frage ist nicht, welche Software bereits vorhanden ist. Entscheidend ist, ob Unternehmen dadurch robuster, schneller und verlässlicher werden.
Hegla-Hanic
Künftig wird nicht nur derjenige im Vorteil sein, der über gute Anlagen verfügt, sondern vor allem derjenige, der Informationen rund um diese Anlagen besser nutzt als andere. Der Wettbewerb entscheidet sich somit zunehmend anhand der Daten- und Entscheidungskompetenz.
Was jetzt nicht hilft, ist hektischer KI-Aktionismus oder der beruhigende Hinweis, die eigene Branche sei dafür zu speziell. Gerade die hohe Variantenvielfalt, individuelle Kundenanforderungen, empfindliche Prozesse und zahlreiche Schnittstellen machen die Flachglasverarbeitung zu einem sinnvollen Anwendungsfeld.
Und wie sieht der richtige Einstieg aus?
Der richtige Einstieg ist nüchtern und basiert auf den richtigen Fragen: Wo verlieren wir heute Zeit? Wo entstehen Fehler, wo fallen Nacharbeiten an und wo Ausschuss? Wo hängen Prozesse an einzelnen Personen? Wo fehlen Transparenz und belastbare Daten? Welche Informationen haben wir eigentlich schon, nutzen sie aber nicht?
Matthias Rehberger / GW
Wer diese Fragen ernsthaft beantwortet, findet in der Regel schnell ein oder zwei sinnvolle Anwendungsfälle. Entscheidend ist, klein genug zu starten und ernsthaft zu messen. Ein sauber umgesetzter Anwendungsfall in der Angebotsbearbeitung, Produktionsplanung oder Qualitätssicherung ist wertvoller als zwanzig Innovationsfolien.
Die Digitalisierung ist eine Führungsaufgabe
Wichtig ist auch, die Verantwortung nicht allein an die IT zu delegieren. Die Digitalisierung ist keine Aufgabe einer Fachabteilung, sondern eine Führungsaufgabe. Sie betrifft Entscheidungen, Standards, Datenqualität, Prozessdisziplin und die Bereitschaft, gewohnte Abläufe zu hinterfragen.
Glas ist und bleibt ein Werkstoff mit Zukunft. Ob jedes Unternehmen der Branche seinen Platz in dieser Zukunft behaupten kann, wird nicht allein von Maschinen, Hallen oder Kapazitäten abhängen. Entscheidend wird auch sein, wie gut es gelingt, Prozesse, Daten und Entscheidungen weiterzuentwickeln. Nicht die Technologie ist das eigentliche Risiko, sondern das Zögern.
Hegla-Hanic
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