Der Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) feiert sein 80-jähriges Bestehen mit einem umfassenden Rückblick auf die Verbandsgeschichte. Bereits auf der diesjährigen Fensterbau Frontale konnten Besucher die zahlreichen Stationen in der Geschichte des Verbandes begutachten. Besonders bemerkenswert: 38 der 64 Mitgliedsunternehmen sind bereits über 100 Jahre alt und zählen zu den Hidden Champions der Branche.
Gründung auf Anordnung der Militärregierung
Am 4. Februar 1946 wurde der FVSB auf Anordnung der damaligen Militärregierung gegründet – als Unterabteilung des ebenfalls 1946 gegründeten Wirtschaftsverbandes Eisen, Blech und Metall verarbeitende Industrie (EBM). 132 Fabrikanten und Firmenvertreter aus ganz Deutschland versammelten sich dafür in Velbert im Rheinischen Hof, der vor dem Zweiten Krieg noch Velberter Hof hieß.
Der erste eingetragene Vorstandsvorsitzende war Ernst Hülsbeck von Hülsbeck & Fürst (heute Huf Hülsbeck & Fürst), August Winkhaus von Aug. Winkhaus (heute Aug. Winkhaus SE) hatte das Amt des ersten stellvertretenden Vorsitzenden inne und der zweite Stellvertreter war Erich Vollmann von Steinbach & Vollmann – allesamt Firmen, die es heute noch gibt. Geschäftsführer wurde Dr. Bruno Pilz.
FVSB war schneller als die EU
Genau 10 Jahre nach der FVSB-Gründung wurde 1956 der europäische Dachverband der Schloss- und Beschlaghersteller gegründet: die ARGE. Damit waren die Hersteller dieser Branche schneller als die Staaten selbst – erst 1957 wurde mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) die Grundlage für die Entstehung der Europäischen Union geschaffen.
Heute sind 13 europäische Staaten in der ARGE vertreten. Seit 2011 hat die Geschäftsführung ihr festes Zuhause im Verbandshaus des FVSB in Velbert gefunden. Ihr Generalsekretär ist seit September 2019 Hans Weißenböck.
Seit der Gründung des Fachverbandes 1946 bis 2003 gab es insgesamt vier Vorstandsvorsitzende – ein Ehrenamt, das bis dahin meist über mindestens ein Jahrzehnt ausgeübt wurde. 2003 trat Wolfgang K. Schlieper von der Wilka Schließtechnik das Amt an. Ihm folgte 2009 Petra Hautau von der Hautau GmbH bis 2013.
In den vier Folgejahren teilten sich die stellvertretenden Vorsitzenden Wolf Hoppe von der Hoppe AG und Michael Meier von der Simonswerk GmbH das Amt. Erst 2017 bekam der Verband einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Karl Kristian Woelm von der Woelm GmbH wurde von den Mitgliedern gewählt und übt das Amt bis heute aus.
Gleichgeblieben ist in all der Zeit der Geschäftsführer Stephan Schmidt, der seit 2003 im Amt ist.
Tradition der Schlossmacherei im Bergischen Land
Die Wurzeln der heutigen Schloss- und Beschlagindustrie lagen weniger in den Städten, sondern in den Regionen, in denen die Schlossmacherei als Nebenerwerb von Bauern ausgeübt wurde. Diese Tradition war besonders im Bergischen und Märkischen Land über Jahrhunderte verbreitet. Das erklärt, warum so viele Firmen heute noch – und auch der Fachverband – in Velbert ihren Sitz haben.
FVSB
Die heute bekannte deutsche Schloss- und Beschlagindustrie entstand schließlich im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts – zunächst durch neue Schlossfabriken im Niederbergischen Lande, speziell Velbert und Heiligenhaus.
Von der Eisenwarenmesse zur Fensterbau FrontaleIn den 80 Jahren der Geschichte des FVSB spielte auch das Messegeschehen immer eine große Rolle. In der Nachkriegszeit eröffnete in Köln die Hausrat- und Eisenwarenmesse (HEM). Bereits seit den 1950er Jahren war sie für den Fachverband die bedeutendste Messe. Mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung wuchs auch die Messe und es entstanden später vier eigenständige Messen, darunter die 1971 gegründete Internationale Eisenwarenmesse.
Heute sind für den FVSB vor allem die BAU in München und die Fensterbau Frontale in Nürnberg wichtige Messen.
Der FVSB betreut aktuell 64 Mitgliedsunternehmen mit rund 25.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von über vier Milliarden Euro.