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Dallwig-Fachtagung: Fenster-Recycling muss in die Ausschreibung

Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme (3. v. l.) von der FH Münster und Thomas Lauritzen (re.), Vorstand des AUF e.V., beleuchteten zwei ausgewiesene Fachleute die zirkuläre Bauwirtschaft.

C. W. Dallwig / Foto: Frank Peterschröder

Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme (3. v. l.) von der FH Münster und Thomas Lauritzen (re.), Vorstand des AUF e.V., beleuchteten zwei ausgewiesene Fachleute die zirkuläre Bauwirtschaft.

Kreislaufwirtschaft beginnt nicht erst beim Rückbau eines Gebäudes. Wesentliche Entscheidungen fallen bereits Jahrzehnte zuvor – bei der Planung, der Konstruktion und nicht zuletzt in der Ausschreibung. Das war die zentrale Botschaft der Fachveranstaltung „Rolle der Materialität in der Kreislaufwirtschaft“, zu der die C. W. Dallwig Nachf. Grimm GmbH am 9. September 2026 in das dallwig_annex in Kassel eingeladen hatte.

Mit Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme von der FH Münster und Thomas Lauritzen, Vorstand des AUF e. V., beleuchteten zwei Fachleute die zirkuläre Bauwirtschaft aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive. Im Mittelpunkt standen die Ressourcenrelevanz des Bauens, bestehende Recyclingkreisläufe und die Frage, wie insbesondere Fenster, Türen und Fassaden konsequenter in geschlossenen Materialkreisläufen gedacht werden können.

Ausschreibung wird zum Schlüsselinstrument

Prof. Flamme identifizierte auf Grundlage von Untersuchungen Optimierungspotenziale durch spezifischere und detailliertere Ausschreibungstexte. Damit wird das Leistungsverzeichnis zu einem wichtigen Instrument der Kreislaufwirtschaft. Anforderungen an Demontage, Trennung, Rücknahme und Verwertung lassen sich bereits dort konkret definieren.

Bereits bei der Planung eines Gebäudes fällt die Entscheidung, welche Materialien eingesetzt und wie unterschiedliche Werkstoffe miteinander verbunden werden. Die Konstruktion beeinflusst wiederum, ob sich Bauteile Jahrzehnte später wirtschaftlich demontieren und Materialien möglichst sortenrein voneinander trennen lassen.

Weitere Ansatzpunkte liegen laut Flamme im Produktdesign, in technischen Systemen zur Materialtrennung und in der Organisation von Rücknahmeprozessen. Produkte, deren unterschiedliche Materialien sich später einfach voneinander trennen lassen, schaffen bessere Voraussetzungen für eine hochwertige Wiederverwertung.

Materialpässe können diesen Prozess zusätzlich unterstützen. Informationen darüber, welche Materialien und Rohstoffe in einem Gebäude verbaut wurden, können auch Jahrzehnte später eine gezielte Demontage und Verwertung erleichtern.

Recycling beginnt mit dem Rückbau

Thomas Lauritzen machte am Beispiel des Aluminiumrecyclings deutlich, wie geschlossene Wertstoffkreisläufe in der Praxis funktionieren können. Der AUF e. V. organisiert für Aluminium aus dem Fenster-, Türen- und Fassadenbau einen geschlossenen Wertstoffkreislauf nach dem Closed-Loop-Prinzip.

Nach Angaben des AUF wurden im Jahr 2025 mehr als 60.000 t Aluminiumschrott über das System dem geschlossenen Wertstoffkreislauf zugeführt. Der Verband beziffert die damit verbundene CO2-Einsparung auf rund 320.000 t.

Dabei geht es nicht nur darum, Aluminium grundsätzlich zu verwerten. Ziel des Closed-Loop-Prinzips ist es vielmehr, Aluminium aus Bauprodukten gezielt zurückzuführen, aufzubereiten und erneut für hochwertige Aluminiumanwendungen nutzbar zu machen.

Lauritzen betonte jedoch, dass weiteres Potenzial besteht. Zusätzliche Materialströme aus dem Metall-, Fenster- und Fassadenbau sowie insbesondere von Abbruch-, Entkernungs- und Demontageunternehmen sollen künftig stärker in bestehende Rücknahmesysteme eingebunden werden.

Closed Loop ins Leistungsverzeichnis

An diesem Punkt treffen sich die wissenschaftliche und die praktische Perspektive der beiden Referenten besonders deutlich. Während Prof. Flamme detailliertere Ausschreibungen und eine frühzeitige Organisation von Rücknahmeprozessen als wichtige Handlungsfelder einer zirkulären Wertschöpfung beschreibt, fordert auch AUF eine stärkere Verankerung des Closed-Loop-Prinzips in Leistungsverzeichnissen.

Bereits in Ausschreibungen lässt sich beispielsweise definieren, wie mit demontierten Aluminiumbauteilen umzugehen ist, welche Anforderungen an die Materialtrennung gelten und über welche Systeme die Werkstoffe zurückgeführt werden sollen.

Für Architekten, Fachplaner und Auftraggeber eröffnet sich damit die Möglichkeit, nicht nur recyclingfähige Produkte zu fordern, sondern die spätere Rückführung der darin enthaltenen Rohstoffe konkret vorzubereiten.

Gebäude als langfristige Rohstofflager

Die Bauwirtschaft gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftsbereichen. Gleichzeitig verbleiben große Mengen hochwertiger Materialien über Jahrzehnte in Gebäuden. Gebäude sind damit nicht nur Immobilien, sondern zugleich langfristige Rohstofflager.

Prof. Flamme verdeutlichte in ihrem Vortrag zur zirkulären Bauwirtschaft, dass dieses sogenannte anthropogene Lager weiterwächst. Umso wichtiger wird die Frage, wie sich die darin enthaltenen Rohstoffe nach ihrer Nutzungsphase zurückgewinnen und erneut nutzen lassen.

Dabei gewinnt die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zunehmend auch regulatorisch an Bedeutung. Europäische Regelwerke und Initiativen wie die EU-Taxonomie, die Energy Performance of Buildings Directive und die Bauproduktenverordnung verstärken die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und die Dokumentation von Bauprodukten.

Für Planer, Bauherren, Hersteller und ausführende Unternehmen bedeutet dies: Neben Energieeffizienz und Nutzungsphase müssen sie zunehmend auch Herkunft, Demontierbarkeit, Wiederverwendung und Recyclingfähigkeit der eingesetzten Materialien berücksichtigen.

Gebäudehülle bietet besondere Chancen

Gerade die Gebäudehülle bietet interessante Ansatzpunkte für Kreislaufwirtschaft. Fenster, Türen und Fassaden bestehen aus hochwertigen Materialien, die über Jahrzehnte genutzt werden und anschließend grundsätzlich erneut als Rohstoff zur Verfügung stehen.

Entscheidend ist laut Lauritzen jedoch, was nach dem Ausbau mit Fenstern, Türen und Fassaden geschieht. Ausgebaute Elemente müssen erfasst, materialspezifisch getrennt und kontrolliert den passenden Wertstoffkreisläufen zugeführt werden. Planer, Auftraggeber, Entscheider, Rückbauunternehmen und Metallbauer tragen deshalb gemeinsam Verantwortung dafür, dass vorhandene Rohstoffe nicht aus dem Kreislauf verloren gehen.

Alle Beteiligten müssen zusammenarbeiten

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft kann kein einzelner Akteur allein umsetzen. Architekten und Fachplaner entscheiden über Konstruktionen und Ausschreibungen. Auftraggeber definieren Anforderungen. Hersteller entwickeln Produkte und Materialkonzepte. Metallbauer fertigen, montieren, warten und demontieren Bauteile. Rückbauunternehmen entscheiden mit darüber, wie Materialien beim Abbruch erfasst und getrennt werden. Recycling- und Rücknahmesysteme schließen schließlich den Kreislauf.

Prof. Flamme machte deutlich, dass vorhandene Recyclinginitiativen insbesondere außerhalb der Fensterbau- und Montagebetriebe noch zu wenig bekannt sind. Ein wichtiger Schritt besteht deshalb darin, alle Beteiligten frühzeitig zu sensibilisieren und bestehende Prozesse stärker miteinander zu verknüpfen.

Lebensdauer verlängern kommt vor Recycling

Zirkuläres Bauen bedeutet jedoch nicht nur Recycling. Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen gehört zunächst eine möglichst lange Nutzungsdauer der vorhandenen Bauteile. Wartung, Inspektion, Reparatur und der gezielte Austausch einzelner Komponenten können dazu beitragen, Fenster, Türen und Fassaden über lange Zeit funktionsfähig zu halten.

Erst wenn eine weitere Nutzung technisch oder wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist, rückt der Rückbau in den Mittelpunkt. Damit entsteht eine durchgängige Betrachtung der Gebäudehülle: von Planung und Konstruktion über Nutzung, Wartung und Instandhaltung bis hin zu Demontage, Materialtrennung und Rückführung der Rohstoffe.

Fachlicher Austausch im dallwig_annex

Die Fachveranstaltung richtete sich insbesondere an Architekten und Planer, Bauherren und Auftraggeber, Vertreter der Bau- und Immobilienwirtschaft, Metall- und Fensterbauer, Hersteller und Systempartner sowie weitere Entscheider und Fachleute, die sich mit Gebäudehüllen, Nachhaltigkeit, Sanierung, Rückbau und Kreislaufwirtschaft beschäftigen.

Mit dem dallwig_annex hat die C. W. Dallwig Nachf. Grimm GmbH einen Ort geschaffen, an dem sich neben technischen Lösungen für die Gebäudehülle auch zukünftige Anforderungen an das Bauen diskutieren lassen.

Ziel der Veranstaltung war es, wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen und bereits funktionierenden Lösungen aus der Praxis zusammenzuführen. Dabei sollte Kreislaufwirtschaft nicht abstrakt bleiben, sondern anhand konkreter Bauteile und Materialströme der Gebäudehülle greifbar werden.

Die Diskussion machte einen entscheidenden Unterschied deutlich: Ein Material kann theoretisch gut recyclingfähig sein – damit ist jedoch noch nicht sichergestellt, dass es am Ende seiner Nutzungsdauer tatsächlich in einen hochwertigen Kreislauf zurückgeführt wird. Dafür braucht es Planung, geeignete Konstruktionen, klare Ausschreibungen, organisierte Rücknahmeprozesse und die Zusammenarbeit aller Beteiligten.

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